Informationen für Ärzte

Der Verlust eines Auges ist ein tiefer Einschnitt im Leben betroffener Patienten, der sowohl physische als auch psychische und soziale Belastungen mit sich bringt. Die Ursachen sind vielfältig: angeborene und erworbene Erkrankungen sowie Unfälle. Um den physischen und psychischen Zustand des Patienten wieder in Balance zu bringen, wird als Rehabilitationsmaßnahme eine Augenprothese individuell am Patienten angepasst. Sie hat die Aufgabe, die Orbita vor weiterem Schaden zu bewahren und Schrumpfungen zu verhindern.

Versorgungsmaßnahmen

Postoperative Erstversorgung

  • Beschleunigung des Wundheilungsprozesses
  • Funktion als Platzhalter
Lochprothesen Conformer
Kollektionsaugen mit Loch Kollektionsaugen oder individuell gefertigte Prothesen ohne Iriszeichnung
Erleichtern die Zufuhr von Medikamenten Dienen der Rekonstruktion der Orbita oder Adnexe

Individuelle Erstversorgung

Die Versorgung mit einer indivduell angefertigten Augenprothese erfolgt stets nach Absprache mit dem behandelnden Arzt, frühestens einen Tag und spätestens sechs Wochen nach der Operation.

Zweitversorgung

Nach abgeschlossenem Wundheilungsprozess ist in der Regel nach drei Monaten eine erneute prothetische Versorgung erforderlich.

Nur durch diese Versorgungsmaßnahmen wird ein korrekter Sitz der Augenprothese, sowie eine gute Fürsorge des Geschädigten, gewährleistet.


Man unterscheidet zwei Arten von Augenprothesen: einwandige und doppelwandige Prothesen.

Einwandige Schalenprothesen

  • bei geschrumpftem Augapfel
  • zur Überkleidung von Plomben und Augenstümpfen
  • in Augenhöhlen mit wenig Platz und Halt, beispielsweise Lidfehlstellungen (Entropuim und Ektopuim)
  • bei extrem großen Implantaten

Einwandige Spezialprothesen

  • bei noch vorhandenem, geschrumpften oder mit Fehlstellung erblindetem Auge

Doppelwandige Reformprothesen

  • bei tief liegenden Plomben
  • bei tief liegenden Augenstümpfen

Bei Bedarf können Ihre Patienten bei uns auch Hilfsmittel (Sauger, Löffel) zum Herausnehmen der Prothesen erhalten.

Empfohlene Tragedauer

Beim Erwachsenen liegt die empfohlene Tragedauer von Augenprothesen aus Glas bei 12-18 Monaten.

Wachstumsbedingt sind die Versorgungsintervalle bei Kindern und Jugendlichen kürzer. Sie staffeln sich wie folgt:

bis 2 Jahre ca. alle 1-4 Monate
ab 2 Jahre ca. alle 3-6 Monate
ab 12 Jahre ca. alle 9 Monate
ab 16 Jahre ca. alle 12 Monate

Folgende Umstände erfordern eine sofortige Neuanpassung:

  • starke Veränderung des Körpergewichts
  • Erschlaffen der Muskulatur des Augenlids (hängendes Ober- oder Unterlid)
  • Rückbildung des Fettgewebes / der Muskeln in der Orbita
  • altersbedingte Verformung des Kopfes
  • Entzündungen mit geringer bis starker Schrumpfung der Orbita
  • Wandern von Plomben
  • erneuter operativer Eingriff

Materialverschleiß

Die Abnutzung einer Augenprothese ist von mehreren Faktoren abhängig: Durch den ständigen Kontakt mit der Tränenflüssigkeit wird die Oberfläche der Prothese zunehmend rauer. Weitere Faktoren beschleunigen den Verschleiß. Hierzu zählen insbesondere Umwelteinflüsse, Beschaffenheit der Augenhöhle, Stärke der Sekretion, unvollständiger Lidschluss, mangelhafte und unsachgemäße Aufbewahrung.

  • Durch regelmäßige Tätigkeiten mit erhöhtem Staub-/ Schmutzaufkommen kann die Tragedauer einer Augenprothese erheblich verkürzt werden
  • Augenprothesen, die eine raue, zerkratzte Oberfläche haben oder bei denen ein Stück abgebrochen ist, dürfen nicht weiter getragen werden, um Läsionen der Schleimhäute zu verhindern
  • Abgenutzte Augenprothesen können eine starke, blutige Entzündung der Orbita hervorrufen. Diese Entzündung, die auch auf das gesunde Auge übertragen werden kann, führt zu einer Schrumpfung der Augenhöhle. In diesem Fall muss sofort, noch während der medikamentösen Therapie, eine neue Prothese angefertigt werden.
    Bei ungünstigem Verlauf sind langwierige und aufwändige prothetische und/oder chirurgische Maßnahmen notwendig, um die Orbita wieder prothesenfähig zu machen.

Nur eine regelmäßige Kontrolle der Augenhöhle durch den Augenarzt und die regelmäßige Neuanfertigung einer Augenprothese durch den Ocularisten gewährleisten Patienten ein relativ problemloses Tragen der Augenprothese.

Augenprothesen und Sport

Grundsätzlich ist die Ausübung von Sport mit Augenprothesen unproblematisch. Bei Sportarten, von denen eine Gefährdung für die Augen ausgeht (Tennis, Squash, etc.) ist auch zum Schutz des gesunden Auges das Tragen einer Schutzbrille empfehlenswert.

Im Einzelfall, insbesondere wenn es sich um Extremsportarten handelt, empfiehlt sich eine individuelle Absprache mit dem behandelnden Ocularisten.

Auch der Besuch einer Sauna ist möglich. Es ist allerdings darauf zu achten, dass die Augenprothese keinen zu starken Temperaturschwankungen ausgesetzt wird, z.B. beim anschließenden Abkühlen bei nicht geschlossenem Auge.

Die Epithese

Nach schweren Unfällen bleiben teilweise Entstellungen im Gesicht zurück.
Dasselbe Schicksal kann Menschen treffen, denen aufgrund einer Tumors z.B. größere Teile der Gesichtsknochen entfernt werden müssen. Solche Defekte bereiten den Betroffenen größte seelische Probleme.

Bei Epithesen handelt es sich um Gesichtsprothesen, die aus Kunststoff oder Silikon gefertigt werden. Sie füllen entstellte und/oder fehlende Bereiche des Gesichts aus. Wenn eine Epithese für die Region um das Auge angefertigt wird, greift der Epithetiker auf eine Augenprothese zurück. Die Augenprothese wird dann in die Gesichtsepithese eingearbeitet.

Diese Augenprothesen werden immer zusammen mit der Epithese erneuert.